Swordbrothers Festival II

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Nach dem doch recht erfolgreichen ersten Teil dieses Underground-Events gings dann in die zweite Runde. Und um es vorwegzunehmen, es wird auch noch eine dritte Runde geben. Aber es war wirklich knapp, und deswegen muss ich hier mal ein paar Worte loswerden.

Es wird ja immer wieder gerne und oft über den Underground und den Support desselben gefaselt. Wenn ich dann erlebe, dass der Veranstalter bis circa 20:00 Uhr quasi zittern muss, um zu erfahren, ob wenigstens die Kosten reingekommen sind, dann verstehe ich echt die Welt nicht mehr. 16.- Euro für 9 wirklich gute Bands sind ca. 1,78 je Band, dafür könnt ihr in Wacken noch nicht mal über den Zaun kotzen!! Was wollt ihr mehr? Das euch jemand am Empfang die Eier golden anmalt? Pseudo-Metaller von Rock Schwach oder Gummi Hammer vor Ort? Die lassen sich doch lieber von irgendeiner Promotante einen blasen, immerhin war Bruder Cle da, diesmal ohne Kostüm, aber irgendwie passt der zum Rock Schwach genauso wenig wie die Herren Hofmann oder Wollwert zu so ner Kommerzkacke wie das Heavy.

Anyway, wir ließen uns gegen 12:00 Uhr in die Halle schüsseln, natürlich haben wir uns wieder verfahren, die langhaarigen Bombenleger, die wir auf den Weg dahin fragten und kein Wort Englisch sprachen, entpuppten sich später als Drummer und Bassist von Raising Fear.

In der Halle selber gabs keine Überraschung, außer, dass selbst Oberposer Andy Preisig nebst kultigem Vater vor Ort war. Mit allen ein Bier getrunken und dann legten Boomerang los, von denen ich nix erwartete, denn deren Demo-CD "Real unreal" fand ich ganz nett, mehr aber nicht. Die Band haute aber gut rein, solider Power-Metal. ich war überrascht, mit welcher Portion Arschtritt die Band live rüberkam. Den Applaus der knapp 100 Metaller hatte sich die Band jedenfalls verdient.

Was dann kam, war der Hammer!! Von Black Destiny kannte ich bisher nur euphorische Kritiken, sonst aber nix. Beim ersten Lied war ich noch draußen in der gleißenden Sonne, aber nach etwa einer Minute zog es mich in die Halle und es wurde gut!!! Allergeilster Power-Metal mit einem Hydranten von Leadsänger aka Mike Seifert wurde geboten, man muss schon über Charisma oder Sangestalent oder beides verfügen, um nahezu ALLE vor der Bühne herumlungernden Gestalten zu animieren. Im Nachhinein war in jedem Fall Herr Seifert der Sangesgott des gesamten Festivals!!

Anschließend versuchten sich Lonewolf an der Livefront. Die Band war nicht übel, erinnerte nicht selten an Running Wild, aber für mich wollte der Funken nicht so recht überspringen. Die Reaktionen waren aber recht gut.

Airged Lamh waren für mich die einzige Enttäuschung des Abends. Ich kenne die Band seit ihrem Demo "A vertigo edda arised", welches kultigen Epic-Metal enthielt. Die darauf folgende LP "One eyed God" war dann schon eine kleine Enttäuschung, denn das Epische wurde der Power geopfert. So auch live, die Band bollerte zwar wild durch die Gegend, aber ich hatte mir halt mehr Songs von dem Demo erhofft.

Bis 17:00 Uhr hatte Veranstalter Volker Raabe eigentlich darauf spekuliert, dass die notwendige Anzahl Karten verkauft worden sei, aber an seinem angespannten Gesicht konnte man erkennen, dass dem noch nicht so war.

Dann enterten Battleroar die Bühne, die sie wie üblich in Schutt und Asche legten. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, welche Stimmung und gute Laune die Band durch ihre reine Anwesenheit aufs Publikum überträgt. Alleine Sänger Marco ist durch seine Mimik und Gestik und nicht zuletzt natürlich durch seine Sangeskunst das Eintrittsgeld wert. Ich habe die Band jetzt das dritte Mal gesehen und freue mich trotzdem auf den vierten Gig der Griechen, das will schon was heißen. Sie waren die eindeutigen Sieger im internen Hellas-Duell.

Da ich von Raising Fear wirklich nur den Namen kannte, musste ich nach einem weiteren Bierchen unter dem herrlichen blauen Himmel von Andernach wieder zurück in die Halle. Und dort hieß die Farbe wieder blau, denn aufgrund der Performance der Gruppe erlebte ich mein blaues Wunder, dass durch den steigenden Bierkonsum noch erhöht wurde. Eindeutig DIE Überraschung des Abends. Knapp hinter Black Destiny die zweitbeste Band. Bestimmt haben die Jungs ne Menge Judas Priest gehört, aber wer das so geil und enthusiastisch rüberbringt, fährt verdientermaßen den Applaus der Fans ein.

Muss ich zu Metal Inquisitor noch was sagen? Weiß gar nicht mehr, wie oft ich die Band live schon gesehen habe, aber egal ob vor 10 oder 500 Fans, El Rojo und Co. bringen jede Halle zum Kochen. Tight wie ein Schwulenarsch ballerte die Gruppe altes und neues Liedgut unters begeisterte Volk und auch wenn Gitarrist Blumi mit neuer Kurzhaarfrisur und cooler Sonnenbrille aussah wie frisch eingeschult, klasse Auftritt einer Klasse-Band. Freue mich schon unbändig auf das demnächst erscheinende neue Album.

Sabaton polarisierten hernach die Massen. Während die Hälfte der Fans mit dem stark keyboardlastigen Material a la early Pretty Maids nichts anfangen konnte, flippte der Rest der Meute aus. Eindeutig die Gewinner auf der nach oben offenen Banger-Skala. Wenn ich ehrlich bin, waren diese Schweden meine musikalische Hauptmotivation, nach Andernach zu eiern. Für die Gruppe war es der erste Auftritt außerhalb Schwedens und entsprechend motiviert ging man zur Sache. Der sonnenbebrillte Frontgaul sah zwar ziemlich posermäßig aus, machte dies aber durch eine affengeile Gesangsdarbietung wett. Alleine das rollende "R" in "Panzerbatallion" machte die Hose im Schritt feucht, aber bei dem Gestank in der ersten Reihe fiel das nicht übermäßig auf. Diese Band könnte richtig groß werden.

Wizard hab ich dann nur noch zur Hälfte mitbekommen. Die Jungs hab ich jetzt schon mehrfach gesehen, der Alkoholpegel war auch hart an der Grenze und die beste Ehefrau von allen rollte um Mitternacht mit dem Karren of Steel vor. Bis dahin hatten Wizard eine gewohnt professionell-engagierte Leistung gezeigt, bei der es nix zu Meckern gab. Business as usual halt. Beim ersten Mal hätte ich mir die Band in jedem Fall zu Ende angeschaut, aber so siegten Faulheit und Trunksucht.

Was bleibt am Ende? Ein megacooles Festival, das am 04. März 2006 in die dritte Runde gehen wird. Bisher bestätigt sind Torch, Warrant, Ironsword, Bloodstained, Double Diamond, Existence und Viron. Also, wer bei diesem Billing zu Hause bleibt, kann gleich seine Lizenz zum Metallen abgeben. Bier kostete wie letztes Jahr 2.- Euro für 0,3 Liter, Festivalshirt nur 12.- Euro und auf dem Metal-Markt konnte man alles finden, was das Herz begehrt. Von mir aus bräuchten gar nicht mehr Zuschauer zu kommen, so war alles schön übersichtlich. Aber dem Veranstalter wäre es mal zu gönnen, die Hütte voll zu haben, es ist eh schon nicht ganz einfach, so ein Festival auf die Beine zu stellen, zumal wenn man keine Knete hat. Also, ihr faules Gelichter, ihr wisst, was ihr am 04. März 2006 zu tun habt.

Review done by Stefan Wendle in 2005 for Metal Obsession Fanzine Nr. 18.